Samstag, 5. November 2011
Experimentelles Backen oder Das perfekte Brot
Deutschland soll ja führend in der Brotvielfalt sein, aber ich weiß trotzdem nie recht welches Brot ich kaufen soll. Entweder ist es zu fest, zu trocken, zu pappig, zu klebrig, zu fad, ... oder hat einen komischen Geschmack. Und abgesehen davon, dass fast überall Zusatzstoffe drin sind (die bestimmt nicht gesundheitsfördernd sind), glaube ich, dass mir der Sauerteig nicht gut bekommt.

Also muss ich wohl selber backen...
Problem an der Sache: Ich backe überhaupt nicht gerne.
Kochen macht Spaß, da kann man improvisieren, Zutaten weglassen, hinzufügen, austauschen, kreativ sein und hat jederzeit alles unter Kontrolle. Aber Backen bedeutet genaues Abwiegen, Abmessen, Zeitvorgaben einhalten und sich überraschen lassen, was später aus dem Ofen kommt. Nicht mein Ding.
Aber um ein gutes Brot zu bekommen, muss ich da wohl durch.

1. Versuch: Fladenbrot
Ein Hefeteig mit etwas Öl und Joghurt, hörte sich gut und einfach an. Die Praxis sah leider anders aus. Der Teig war nach dem ersten Gehen so nass und klebrig, dass ich beim Kneten jede Menge Mehl einarbeiten musste. Und deshalb kam später ein schwerer Betonfladen aus dem Ofen, der sehr mehlig schmeckte. :-(

2. Versuch: No-Knead-Bread (Brot ohne Kneten)
Außer mir kennt es wahrscheinlich schon jeder, denn ich fand unendliche viele Rezepte und Variationen davon in Internet-blogs und -foren. Ich entschied mich für die Originalversion (soweit das ohne die amerikanischen Messlöffel geht) und sah mir mehrmals das
Video an. Total easy!

Das Ansetzen des Teigs war auch wirklich kinderleicht. 18 Stunden später sollte er dann ganz einfach zusammen gefaltet werden. Das war aber alles andere als easy, denn mein Teig war extrem fluffig und klebte wie Kaugummi auf der bemehlten Arbeitsfläche. Nach weiteren 2 Stunden des Gehens, pappte der Teig am bemehlten Tuch und beim Einfüllen in den vorgeheizten Aluguss-Bräter blieben große Teigfetzen im Tuch kleben. Okay etwas Schwund ist immer, aber es war schon eine ziemliche Sauerei.

Das Backen verlief völlig problemlos. Dank des Glasdeckels konnte ich die Entwicklung des Brotes immer sehen und weil es ja durch die Teigverluste kleiner und in dem großen Gefäß ziemlich flach war, entschied ich mich für etwas weniger Temperatur und Hitze in der Schlussphase (ohne Deckel).



Es duftet phantastisch, die Kruste ist super knusprig und nach dem Abkühlen und Anschneiden, zeigt sich das luftig, lockere Innere.
So muss Brot aussehen! Und es schmeckt einfach köstlich!
Ich bin total begeistert! :-)

Mit einigen Verbesserungen beim Teighandling (z.B. mehr Mehl auf die Arbeitsplatte, Silikonmatte statt Stofftuch) werde ich das No-Knead-Bread ganz sicher noch öfters backen. Mir schweben schon Varianten mit Gewürzen, Käse, Nüssen usw. vor...

Hier ist meine Rezept-Version von Jim Lahey's No-Knead-Bread:
no-knead-bread rezept (pdf, 25 KB)

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